Diskurs

Künstlerischer Blick aufs Jahr

Es geht um Entwicklungen im Kontext ihrer Zeit, gezählt in Sieben-Jahres-Zyklen, und den anderen, freieren Blick, den Kunst wagen kann.

 

Das ist der Beginn eines Projektes. Auf der Suche nach etwas Sinngebendem, Bleibendem, Systemischen, nach etwas, was uns interessiert, was uns bereichert, was wir suchen, was uns begleitet, was uns anregt.

» Wir wollen in Zyklen von sieben Jahren mit einem jungen Menschen zusammenarbeiten, Raum geben. Seine jährliche Arbeit ist eine Malerei, ein Objekt, eine Grafik, eine Photographie, eine Collage, eine Skulptur, was auch immer. Sie soll eine Verdichtung und Reflexion, einen Schnappschuss der aktuellen gesellschaftlichen, ästhetischen Kontextualität erzeugen, diesen kurzen Blick festhalten. Diese Bezogenheit ist der Fond unserer Arbeit. Diesen Beitrag widmen wir Ihnen als Gruß zum Neuen Jahr. «
Nils Krause

Das Projekt beginnt 2010 mit einer Einladung an die Stuttgarter Fotografin und Künstlerin Judith Brucklacher für den Zeitraum von sieben Jahren den Neujahrsgruß unseres Büros zu gestalten. Entstanden ist eine abwechslungsreiche Reihe in unterschiedlichen Darstellungstechniken, die Schnappschüsse des jeweils aktuellen gesellschaftlichen und ästhetischen Kontexts zeigt. Es ist eher eine begleitende sensorische Dokumentation, eine Ort-Zeit-Bestimmung für uns als über uns.

»… es grünt so grün«, 2009, bemalte Photographie, 1 von 7, Judith Brucklacher

»ohne titel«, 2010, Photographie, 2 von 7, Judith Brucklacher

»frucht«, 2011, Photographie, 3 von 7, Judith Brucklacher

»ohne titel«, 2012, Photographie, 4 von 7, Judith Brucklacher

»ohne titel«, 2013, Photographie, digital bearbeitet, 5 von 7, Judith Brucklacher

»ohne titel«, 2014, Photographie, digital bearbeitet, 6 von 7, Judith Brucklacher

»ohne titel«, 2015, Photographie, digital bearbeitet, 7 von 7, Judith Brucklacher

Seit 2017 wird die Reihe für weitere sieben Jahre fortgeführt durch den italienischen Maler Renato Settembre, Absolvent der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 2019 lebt und arbeitet er in Brüssel.

»ohne titel«, 2016, Öl auf Leinwand, 1 von 7, 100 x 90 cm, Renato Settembre

»fremd gehen«, 2017, Öl, Acryl, Bleistift und Edding auf Nessel, 2 von 7, 200 x 160 cm, Renato Settembre

»ohne titel«, 2018, Ölfarbe auf Transparentpapier, 3 von 7, 297 x 210 mm, Renato Settembre

»summary«, 2019, Öl auf Leinwand, 4 von 7, 100 x 60 cm, Renato Settembre

»Ich denke an das Geschirr im Flugzeug: stumpf und kürzer, denn dort besitzt jeder Zentimeter einen höheren Marktwert. Oder: an das Scheitern beim Versuch, einen Bohrer zurück in der Negativform in dessen Koffer einzupassen. Mit einem solchen Ordnungssystem zu tun zu haben, ohne es gut zu kennen, kann zu Frustration, aber auch zu plötzlichen Fortschritten, führen. Auf eine ähnliche Art und Weise, fügt die Arbeit summary unterschiedliche Dinge auf begrenztem Raum ineinander.« R.S.

» For a long time I believed, I did not know or did not want to know what painting is. In many of my paintings you can find abstract motives and part of figures. Draft faces but also bodies and objects. It could be, that these forms tell you some kind of stories. They would be not interesting stories. I would like to draw an entire body, but a foot can be enough. I do not know if these interruptions and changes of mind have something to do with the need to be certain and determined in what I am doing. I do not feel in the best place to judge my own work – I like it a bit too much. Perhaps that is, because the criteria with which I judge it are so different from the ones I use when I am making. And those criteria do not last very long. «
Renato Settembre, 2017

»ohne titel«, 2020, Bleistift auf Papier, 5 von 7, 420 x 297 mm, Renato Settembre

Wir bleiben neugierig und freuen uns auf zwei weitere Jahre bereichernder Zusammenarbeit mit Renato Settembre!

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